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Einleitung
H O M O N O E T I C U S
John White
Sich die Zukunft der Erde vorzustellen, hat etwas Paradoxes. Wenn es auch
schwer fällt, sich unseren zukünftigen Planeten Erde unter einer anderen
Herrschaft als der des Homo sapiens vorzustellen, so ist es doch bei dem
derzeitigen multilateralen Zerstörungskurs, den wir fahren, mindestens
ebenso schwierig, sich ein Bild von der möglichen Zukunft der Erde zu
machen, bei welcher der Homo sapiens weiterhin dominiert. In unserem Bestreben,
herauszufinden, ob und wie Erleuchtung unsere globale schlimme Lage ändern
kann, trafen wir auf einen faszinierenden Denker, der mit seiner
eigenen Vorstellungskraft die Grenzen dieser ausweglosen Konfliktsituation
wagemutig erweitert und eine Lösung gefunden hat, die nichts weniger als
evolutionär ist. Der Bewusstseinsforscher John White spricht der Menschheit
und der Erde, allen gegenteiligen Tendenzen zum Trotz, tatsächlich die
Voraussetzungen für eine vielversprechende gemeinsame Zukunft zu. Nur
die Form des menschlichen Wesens, das hier existieren wird, um daran mitzuwirken,
wird ein Primat ganz anderer
Art sein, als die Menschen, wie wir sie heute kennen. White bezeichnet
ihn als Homo noeticus die nächste Stufe in der menschlichen Evolution.
Für John White, der 1963, ausgelöst durch eine von ihm als „Gotterkenntnis”
beschriebene spontane Erfahrung, zu einem spirituellen Leben berufen wurde,
war es nie ein Problem, anderen zu sagen, dass er erleuchtet wäre, vorausgesetzt
er konnte rasch den Nachsatz ergänzen: „Aber nur so gerade eben”. Seit
nunmehr 27 Jahren ist dieses „Nur-so-gerade-eben” der Treibstoff für sein
unstillbares Interesse an der Erforschung unseres höheren menschlichen
Potenzials. Fragt man ihn nach seinen Errungenschaften auf diesem Gebiet,
dann ist sein Erleuchtungserlebnis, das ihn auf seinen Weg brachte, eines
der letzten Dinge, die man zu hören bekommt. Als erstes erfährt man von
seiner Verbindung zu dem Apollo - 14 - Astronauten Edgar Mitchell, dessen
spirituelles Erlebnis in der Raumkapsel ihn dazu brachte, mit Whites Hilfe
das mittlerweile international bekannte Institut für Noetische Wissenschaften
zu gründen. Dann war da noch das Buchmanuskript mit dem Titel Das Spektrum
des Bewusstseins , welches er 1974 von einem kämpferischen jungen
Schriftsteller
namens Ken Wilber erhielt. Das Buch beeindruckte White so sehr, dass er
es unbedingt veröffentlichen lassen wollte, was ihm schließlich 34 Verlage
und 4 Jahre später auch gelang. Das war der Beginn von Wilbers Aufstieg,
der ihn zu einem der anerkanntesten spirituellen Denker der Moderne machte.
White könnte, da er während seiner Laufbahn lange Zeit freier Schriftsteller
und Herausgeber war, ebenfalls erwähnen, dass er selbst dutzende Artikel
und mehr als 15 Bücher
veröffentlicht hat, darunter The Meeting of Science and Spirit, A Practical
Guide to Death and Dying und die Anthologien Kundalini, Evolution, and
Enlightenment und What is Enlightenment ?. In seinem in Kürze erscheinenden
Buch Enlightenment 101 [ auf Deutsch etwa „ABC” der Erleuchtung, Anm.
d. Ü. ] beschreibt White die radikale, evolutionäre Verschiebung, die,
wie seine Forschungen und Erfahrungen es ihm überzeugend gezeigt haben,
bereits in der menschlichen Rasse im Gange ist.
Sein Leben an der vordersten Front der Bewusstseinsforschung, in Gemeinschaft
mit vielen führenden spirituellen Visionären, hat bei White zu einer außergewöhnlichen
Wertschätzung unserer höheren menschlichen Fähigkeiten und zweifelsohne
zu einem inwendigen Blick auf das geführt, was wir als Menschheit anstreben.
Doch dass er von einem uns immanenten evolutionären Potenzial überzeugt
ist hat, so gibt White zu, seinen Ursprung nicht in seinen Forschungen
und Studien, sondern in jenem ersten spirituellen Erlebnis im Jahr 1963.
Er beschreibt es folgendermaßen: „Da gab es eine Kehrtwende im Bewusstsein,
welche mir die Illusion des getrennten Selbst und die Identität des
wahren Selbst zeigte. Mein normalerweise als Selbst empfundenes Körpergefühl
war vollkommen verschwunden und da war nur ‚` ICH ' als das Universum,
als der Kosmos. Dadurch wurde mir zwar nicht die Gabe der Allwissenheit
zuteil, aber es gab mir Gewissheit. Ich wusste über jeden Zweifel erhaben,
wer ich bin, warum ich hier bin, wohin ich gehe und welcher der Weg nach
Hause zu Gott ist. Dadurch erkannte ich, dass mein Potenzial, falls es
so etwas wie eine menschliche Natur gibt, das Potenzial eines jeden Menschen
ist. Ich sah in meine Vergangenheit, die menschliche Vergangenheit.
Ich blickte in meine Zukunft, die Zukunft des Menschen.”
Eines Tages im vergangenen Herbst wurde uns das Vergnügen eines nachbarschaftlichen
Besuchs von John White zuteil. Er war von seinem Heim in Connecticut zu
unserem Center in Massachusetts gefahren, um mit uns einen Nachmittag
zu verbringen, an dem er seine Vision einer erleuchteten Menschheit mit
uns teilte.
Interview
WIE: Viele Futuristen, Wissenschaftler und soziale Denker erkennen, dass
die Menschheit vor einer evolutionären Krise steht. Sie prognostizieren
uns für die nächsten Jahrzehnte potenziell verheerende globale Veränderungen,
während derer Umweltzerstörung, Überbevölkerung, rapide Globalisierung
und technologisches Experimentieren unsere Spezies und den Planeten als
Ganzes in eine zunehmend heikle Schwebesituation versetzen. Viele führende
Denker weisen darauf hin, dass angesichts der Größe der Herausforderungen,
denen wir entgegensehen, die einzige Lösungsmöglichkeit, die uns
eventuell zu den Wurzeln des Problems führen kann, spiritueller Natur
isteine Transformation des Bewusstseins. Was halten Sie von dieser Idee?
Kann Erleuchtung die Welt retten?
JW: Nur Erleuchtung kann die Welt retten. Sie ist das Einzige, was die
Welt retten kann. Als ich mit dem Apollo14 -Astronauten Edgar Mitchell
arbeitete, hatten wir die Idee, dass das Institut für Noetische Wissenschaften,
das er 1972 gegründet hatte und an dem ich Direktor für die Aus- und Weiterbildung
war, die menschlichen Denkweisen untersuchen könnte, um unsere Untersuchungsergebnisse
auf die Probleme anzuwenden, die auf die Menschheit zukommen. Von dem
Moment an, wo er in der Raumkapsel auf dem Weg zurück zur Erde ein Erleuchtungserlebnis
oder eine religiöse Erfahrung gehabt hatte, war es Ed klar gewesen, dass
die Probleme, welche die Menschheit bedrängen, nicht Teil der natürlichen
Welt sind. Gesellschaftliche Spaltungen und Konflikte, Streit und all
die politischen Schwierigkeitener erkannte, dass all diese Probleme auf
der Ebene des menschlichen Denkens oder Bewusstseins auftauchen, und er
wollte das untersuchen, um jene Probleme an der Wurzel zu lösen. Wie Einstein
sagte: Du kannst ein Problem nicht auf der Ebene lösen, auf der das Problem
seine Wurzeln hat. Du musst auf eine höhere Ebene gehen. Das war die Hoffnung
des Instituts für Noetische Wissenschaften: Das Wesen des Bewusstseins
besser zu verstehen und unsere Fähigkeit, über den Status hinauszugehen,
auf dem all die Probleme entstehen, mit denen die Menschheit zu tun hat.
Wenn uns dies nichtgelingt, dann könnten wir sehr leicht als ein verkohltes
Pünktchen am Nachthimmel enden, oder als entkräfteter, schwacher Planet
mit einer toten Spezies.
Also, ja, wir sind mit verschiedenen Krisen konfrontiert, aber meine neuesten
Forschungen und meine persönlichen Erfahrungen sagen mir, dass wir diese
Krisen bewältigen werden. Das ist Teil des großen Schöpfungsplans. Das
ist Teil der intelligenten Absicht, die dem Universum zu Grunde liegt.
Gott hat uns nicht in 5 Millionen Jahren menschlicher Evolution hervorgebracht,
um uns einfach so auszulöschen. Wir haben die Mittel zur Verfügung; wir
haben das Potenzial, auf intelligente Weise mit Krisen umzugehen, auf
eine Weise, die im Einklang mit unserem theologischen Drang zur Selbst-Transzendenz
ist.
Aber, soweit ich es erkennen kann, ist das nicht hundertprozentig sicher.
Wir könnten uns als Planet auch den sprichwörtlichen goldenen Schuss versetzen.
Allerdings glaube ich das nicht. Wir haben im Laufe unserer langen Geschichte
viele, viele Krisen überstanden, und ich sehe alle Arten hoffnungsvoller
Zeichen, die mir sagen, dass wir diese hier auch bewältigen werden. Wie
mir ein Freund sagte, ist HOPE [Hoffnung] eigentlich ein Akronym für Help
Our Planet [Hilf unserem Planeten sich zu entwickeln]. Und ich bin immer
voller Hoffnung.
WIE: In Ihrem bald erscheinenden Buch Enlightenment 101 [auf Deutsch etwa
„ABC” der Erleuchtung, Anm. d. Ü.] sagen Sie, dass sich die Menschheit
tatsächlich in eine neue und höhere Lebensform hinein entwickelt, welche
in der Lage sein wird, viele der Schwierigkeiten zu transzendieren, denen
wir heute gegenüberstehen. Sie bezeichnen diese neu entstehen der menschliche
Form als „Homo noeticus”. Was ist Homo noeticus?
JW: Homo noeticus ist ein Terminus, den ich verwende, um die höhere Form
der Menschheit, die derzeit auf dem Planeten in Erscheinung tritt, zu
benennen, die sich nicht durch genetische, sondern durch noetische Veränderungen
auszeichnet. Anders ausgedrückt: Bei der Definition des Homo noeticus
ist das Bewusstsein das leitende Prinzip. Es ist eine radikale Bewusstseinstransformation,
die den Homo noeticus charakterisiert, eine Bewegung von einer Selbstzentriertheit
hin zu einer Gottzentriertheit. Ein Mitglied der Spezies Homo noeticus
mag genau so aussehen wie jeder X-beliebige, der uns
heutzutage auf den Straßen von New York begegnet, nichtsdestotrotz zeichnet
es sich durch eine tiefgründige Veränderung im Bewusstsein aus. Und diese
Veränderung im Bewusstsein ist Teil des Erleuchtungsprozesses. Nun ja,
ich besitze keine anthropologische Checkliste dafür, wie man Homo noeticus
definiert. Wenn wir zu Zeiten des Neandertalers und des Auftauchens des
Cro-Magnon-Menschen lebten, woher wüssten wir dann, wie wir den Cro-Magnon
vom Neandertaler unterscheiden können? Physisch gesehen waren sie sich
ziemlich gleich. Aber rückblickend können wir sagen, dass der Cro-Magnon-Mensch
ein neuer und überlegener Menschentypus war, der sich dadurch auszeichnete,
dass er der erste Künstler der Welt war, mit seinen Höhlenmalereien und
seinen weiblichen Figurinen. Der Cro-Magnon-Mensch erfand Pfeil und Bogen,
die ersten Waffen der Welt, die über einfache Steinwerkzeuge hinausgingen.
Und es gibt noch einige andere Kennzeichen, die den Cro-Magnon-Menschen
vom Neandertaler unterscheiden. Ebenso ist es mit dem Homo noeticus.
Die Merkmale, die meiner Ansicht nach eine voll entwickelte Mitgliedschaft
in der Spezies Homo noeticus indizieren würden, sind vornehmlich Reflektionen
des eigenen Bewusstseins, wie es sich von der Selbstzentriertheit in die
Gottzentriertheit hineinbewegt, welche die Gegenwart des Göttlichen in
jedem erkennt und auf dieser Basis in der Welt agiert.
Auf der Ebene gibt es keinen Wettbewerb, sondern vielmehr Kooperation,
und der Denkprozess ist kein simpler, linearer, sequenzieller, Entweder/Oder-Typus
des Denkens, sondern ein vielschichtiger, integrierter und alles einschließender.
Und was die Emotionen angeht: Man wird weder Hass, noch Laster, noch andere
Untugenden finden, die in der heutigen Welt so viel Leid und Schmerz verursachen,
so viel Zerstörung, Tod und Gewalt. Man könnte sagen: man weiß, dass der
Homo noeticus die vorherrschende Lebensform auf dem Planeten ist, wenn
es keinen Krieg, keine Unterdrückung, kein Konkurrenzdenken, keine Habgier
und keine anderen Laster mehr gibt, die den Zustand der Menschheit, den
wir heute erleben, sehr stark definiert haben.
WIE: Welche Anzeichen erkennen Sie in der heutigen Welt, die für Sie die
Schlussfolgerung zulassen, dass der Homo noeticus in Erscheinung tritt,
dass wir uns tatsächlich entwickeln?
JW: In meinem Buch The Meeting of Science and Spirit, habe ich eine lange
Liste von Indikatoren aufgestellt, die mir, als Gesamtes betrachtet, sagen,
dass eine tiefgreifende Transformation des Bewusstseins in der Welt im
Gange ist. Nicht dass jeder dieser Indikatoren weltweit gegenwärtig wäre,
aber wir können jeden Aspekt unserer aktuellen menschlichen Belange betrachten
und Dinge, Bewegungen, Gruppen und Perspektiven sehen, welche nicht bloß
zum Erhalt des Status quo
beitragen, sondern einen neuen, höheren Weg über diesen hinaus weisen.
Die Volkswirtschaft, das Erziehungswesen, das Militär, die Politikjeder
Aspekt menschlicher Aktivitäten zeigt hier und da Anzeichen dafür, dass
etwas aus ihm hervorgeht, das ihn nicht nur transzendiert, sondern einen
Einfluss zurückprojiziert für die weitere Transformation der entsprechenden
Domäne.
Der Hunger nach Wachstum ist im Menschen weit verbreitet, und er bricht
auf vielfältige Weise überall hervor: physisch, mental und spirituell.
Man betrachte nur, wie die Menschheit allein auf dem Gebiet des Sports
oder der Erforschung des Planeten über die Stränge schlägt. Zum ersten
Mal haben wir die Unterwasserforschung bis zu einem Punkt gemeistert,
wo Sporttaucher mit Tauchgeräten hunderte Fuß tief tauchen können und
noch tiefer mit technischen Hilfsmitteln wie Tauch- oder U-Booten. Wir
erweitern also die Grenzen in den Tiefen des Ozeans und bis zu den äußersten
Grenzen der Atmosphäre
und darüber hinaus, durch Reisen in den Weltraum, Ultraleichtflugzeuge
und die verschiedensten Luftsportarten. Schon allein rein physische Sportarten
haben sich auf eine Weise entwickelt, wie es vor einem Jahrhundert noch
undenkbar war. Ein Rekord jagt den nächsten, denn wir entwickeln immer
bessere Trainingsmethoden und unterstützende Ernährungsprogramme. Ich
habe auch viele Kenntnisse auf dem Gebiet der Parapsychologie, der Erforschung
des Para-Normalen oder Medialen. Ich
sehe das als einen Teil des Erwachens des Bewusstseins in der Menschheit
an, wo die Menschen auf einer tieferen und höheren Ebene mehr darüber
wissen wollen, wer sie sind. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit
wird das mediale Potenzial einzelner Menschen von einer breiten Öffentlichkeit
anerkannt. Und dies findet seine ganz pragmatische Anwendung in der holistischen
oder alternativen Gesundheitsbewegung. Überall erweitert die Menschheit
die Grenzen ihres physischen, mentalen und spirituellen Status quo. Diese
sind also einige der Indikatoren.
WIE: Wäre es zutreffend, Homo noeticus als eine erleuchtete Menschheit
in der Weise zu charakterisieren, wie Erleuchtung traditionell verstanden
wird?
JW: Es wäre das, was ich die erste Stufe der Erleuchtung nenne, wo es
zu einer psychologischen Umwandlung kommt, einer radikalen Veränderung
im Bewusstsein, von der Selbstbezogenheit hin zur Gottbezogenheit. Aber
das muss sich auch physiologisch herausarbeiten. Vor vielen Jahren legte
ich etwas dar, das ich das erste Gesetz der Noetik nenne: „Der Körper
folgt dem Bewusstsein.” Nun, wenn es also zu einer radikalen Veränderung
im Bewusstsein kommt, zu Moksha, das uns eine stabile Basis gibt für die
Entwicklung eines selbst in allen Aspekten unseres Tuns, dann folgt dem
notwendiger
Weise im großen Schöpfungsentwurf der menschlichen Evolution, so wie ich
ihn verstehe, die direkte Umwandlung des Körpers selbst, des Körpers und
des Verstandes, welche dem Geist untergeordnet sind.
WIE: Wie weit sind wir Ihrer Ansicht nach von jener Art von Bewusstseinstransformation
entfernt, die uns wirklich auf die radikalen Veränderungen vorbereiten
könnte, die vor uns liegen? Wieviele Menschen müssten sich zum Homo noeticus
entwickeln, damit es eine Hoffnung gibt, dass die Dinge wieder umgekehrt
werden und diese Probleme von einem größeren Blickwinkel aus betrachtet
werden können?
JW: Meiner Meinung nach ist das volle Auftauchen des Homo noeticus, also
bis zu dem Punkt, an dem es die dominante Lebensform auf dem Planeten
wäre, noch mindestens einige Jahrhunderte entfernt. Nun, das klingt aus
der Sicht von jemandem, der mit einer Armbanduhr am Handgelenk in einem
Raum sitzt, wie eine lange Zeit. Aber vom Standpunkt der Anthropologie
oder Evolution betrachtet ist das nur ein Augenblick.
Die erste Lebensform auf Erden tauchte theoretisch aus dem Urschlamm vor
rund 4 Milliarden Jahren auf und herrschte ein oder zwei Milliarden Jahre
lang. Die darauf folgende nächst höhere Form entstand und herrschte eine
kürzere Zeit lang vor, und jede weitere neue höhere Lebensform dominierte
jeweils über einen immer kürzer werdenden Zeitraum. Mit anderen Worten:
das Erscheinen höherer Formen ist stetig zunehmend. Kommt man also zur
Ebene des Menschen, dann sprechen wir von dir und mir,
wie wir hier in diesem Raum sitzen, auf der Grundlage von gerade mal fünf
Millionen Jahren, seit sich unsere Vorfahren mitten im afrikanischen Flachland
auf zwei Beinen aufrichteten. Das Neandertal ist erst 300.000 Jahre her,
Cro-Magnon 3540-tausend Jahre und Homo sapiens sapiens, der moderne Mensch,
zehntausend Jahre. Wenn nun statt der Genetik die Noetic die Veränderungen
in der Evolution bestimmt, und ich glaube, das ist ab jetzt der Fall,
und mit dem Potenzial, das wir haben, um Informationen über die Massenkommunikationsmittel
und Technologien zu verbreiten, übernehmen wir an diesem Punkt tatsächlich
die Kontrolle über unsere eigene Evolution. Wir haben die Möglichkeit,
Informationen zum Zwecke der Transformation zu verbreiten. Und ich bin
voller Hoffnung, dass sich dieser Wandel nicht nur weiter fortsetzt, sondern
sogar beschleunigt. Aber selbst wenn dem so ist, werden doch noch mehrere
hundert Jahre vergehen, ehe Homo noeticus die wirklich dominante Lebensform
wird. Allerdings sollten wir nicht denken, dass es weitere dreihundert
Jahre dauern wird, ehe wir uns um all die globalen Krisensituationen kümmern,
denen wir uns gegenübersehen. Ein transformiertes Wesen in der Welt kann
Hunderte, ja Tausende beeinflussen.
WIE: Wie Sie sagten, gibt es offensichtlich eine Reihe positiver Anzeichen,
und mehr und mehr Menschen sind daran interessiert, den Herausforderungen,
mit denen wir konfrontiert sind, größere Beachtung zu schenken. Aber Sie
haben auch darauf hingewiesen, dass die Mehrheit der Menschengetrieben
von einem kurzfristigen Selbstinteressenoch immer in einer extrem materialistischen
und egozentrischen Weltanschauung feststeckt. Sie schrieben: „Einfach
zu sagen, dass die Menschheit ihre eigene Evolution beschleunigen kann,
ist nicht dasselbe wie die Menschheit zu überzeugen, dass sie es kann,
ganz zu schweigen davon, dass sie es sollte.” Was sehen Sie als den wichtigsten
Faktor an, wenn man die Menschen dazu bringen will, dem Ruf der Evolution
zu folgen und sich selbst zu ändern?
JW: Ich würde auf zwei Faktoren hinweisen. Einer ist die Gegenwart erleuchteter
Lehrer in der Welt, deren ureigenstes Wesen die Botschaft bereits ausströmt.
Ihr Beispiel demonstriert unser menschliches Potenzial. Zweitens haben
wir eine Zunahme von Leid, und Leid ist die erste Gnade. Es ist die Methode
der Natur, uns einen Tritt zu versetzen, wenn wir uns weigern, durch sanftere
Hilfsmittel zu lernen. Wenn wir nicht durch Anziehung gelockt werden,
dann werden wir von Abstoßung getrieben sein.
Und dies ist möglicherweise fortlaufend der Fall. Das Ausmaß des Leidens
in manchen Gegenden der Welt ist so groß, und gleichzeitig ist der Grad
unseres Bewusstseins für unser Transformationspotenzial in gewissen anderen
Gegenden so groß, dass nun ein synergistischer Prozess stattfindet, bei
dem jene, die erleuchtet oder erwacht sind und die von dem Leiden in der
Welt voller Mitleid betroffen sind, ihre Aufmerksamkeit auf eine Weise
lenken, dass sie direkt und pragmatisch mit dem Leiden umgeht. Das ist
der Grund, weshalb ich sage, ich bin voller Hoffnung. Ich sehe, wie diese
Transformation vor meinen
eigenen Augen stattfindet
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